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Der Bauernregelweg in Altenmarkt-Zauchensee
Familienwanderung im doppelten Urlaubsparadies
Dienstag, 25.06.2019

Der Bauernregelweg in Altenmarkt-Zauchensee

Bauernschlau durch Wind und Wetter

„Stirbt der Bauer im Oktober, braucht er im Winter keinen Pullover“. So oder so ähnlich lauten die Bauernregeln, die ich kenne 😉 Damit ich zukünftig nicht ganz so plump daherreden muss, habe ich mich schlau gemacht. Beim gemütlichen Spaziergang durch den Erholungsraum am Schwemmberg habe ich allerhand Wissenswertes über Wetterregeln und Lostage dazu gelernt und durfte einen schönen Ausflug ins Salzburger Pongau unternehmen. Was genau der Altenmarkter Bauernregelweg ist, ob sich der Themenrundweg für dich lohnt und wo es die besten Kaspressknödel am Weg gibt, gibt’s nur bei austria.at.

Ursprung der Bauernregeln

Erst einmal bringe ich für dich Licht ins Dunkle, was genau denn diese sagenumwobenen Bauernregeln sind, woher sie stammen und ob sie nicht eher Dichtung statt Wahrheit sind. Im Mittelalter gab es weder moderne Wettermessstationen noch den Berufsstand des Meteorologen; auch von stündlich-genauen Wettervorhersagen war man weit entfernt. Für die Bauern zur damaligen Zeit war eine gewisse Orientierung aber essentiell wichtig für die tägliche Arbeit auf dem Feld und dem Hof. Die richtige Bestellung der Äcker für eine ertragreiche Ernte, die das Überleben sicherstellte, hatte einen besonders hohen Stellenwert und war extrem wetterabhängig. Generell fand damals das Leben zum größten Teil draußen in der Natur statt, weshalb das Wetter schon immer eine entscheidende Rolle im Alltag spielte. Die Landwirte waren vom Wetter abhängig und deshalb versuchte man mit Hilfe von genauen Beobachtungen Regeln für eine verlässliche Wetterprognose aufzustellen. Die Bauernregeln waren geboren.

Der Hundertjährige Kalender - Mythos und Aberglaube

Ebenfalls aus dem Mittelalter stammen die Wetterprognosen nach dem hundertjährigen Kalender. Der Abt Mauritius Knauer, der im 17. Jahrhundert dafür zuständig war die Landwirtschaft seines Klosters im nördlichen Bayern zu optimieren, beobachtete über sieben Jahre das Wetter und stellte seine Erkenntnisse darüber im hundertjährigen Kalender zusammen. Er legte seinen Beobachtungen einen sieben Jahres Zyklus zugrunde, wobei er den einzelnen Jahren den bis dato bekannten sieben Himmelskörpern zuordnete: Sonne, Mond, Merkur, Saturn, Jupiter, Mars und Venus. Heute wissen wir, dass die Planeten keinen Einfluss auf das Wetter haben. Dass manche Aussagen des hundertjährigen Kalenders teilweise dennoch zutreffen, ist reiner Zufall.

Der Katholische Glaube und die Bauernregeln

Eine enge Verbindung zwischen dem katholischen Glauben und dem Wetter gab es schon immer. An Maria Lichtmess wird am 2. Februar der vierzigste Tag nach Weihnachten gefeiert. Damals hat man nach einer Winter- und Weihnachtspause ab dem 2. Februar mit der Bauernarbeit im neuen Jahr begonnen. Bei den Mägden und Knechten war dies ebenfalls ein besonderer Termin: Maria Lichtmess war bei den Bediensteten der Bauersleute besser unter Schlenkeltag bekannt, an dem oft der Dienstherr gewechselt wurde und sie an einem anderen Hof bei neuen Bauersleuten angestellt wurden. Teilweise ist es sogar bis heute noch Brauch, den weihnachtlichen Schmuck sowohl in der Kirche als auch im privaten Haushalt bis zum 2. Februar dekoriert zu lassen. Der Ausdruck der sogenannten Eisheiligen ist ebenfalls ein Zeichen der starken Verwurzelung der katholischen Kirche bei den Bauersleuten in der damaligen Zeit. Damit sind die fünf Heiligen gemeint, derer vom 11.-15.Mai gedacht wird. Man sagt, dass an diesen Frühlingstagen noch mit einem Kälteeinbruch und sogar Frost zu rechnen ist.

Der Altenmarkter Bauernregelweg

Die lange Tradition der Bauernregeln hat sich Martin Steffner zur Grundlage seiner Idee für den Altenmarkter Themenrundweg genommen. Er betriebt zusammen mit seiner Familie die Jausenstation Habersatt, die eine von zwei Einkehrmöglichkeiten auf dem Bauernregelweg ist. Da mich mein Ausflug an einem Dienstag im Juni an den Schwemmberg führ, kann ich leider nicht dort einkehren. Der Berggasthof Habersatt hat nämlich von Pfingsten bis Ende Oktober und von Mitte Dezember bis eine Woche nach Ostern geöffnet, und hat jeweils am Dienstag und Mittwoch seinen Ruhetag.

Der Themenrundweg

Für mich beginnt der Rundweg auf dem Parkplatz der Reitlehenalm. Dorthin bin ich mit dem Auto über die Auffahrt des Schwemmbergwegs gelangt. Weitere Parkplätze gibt es etwas unterhalb der Alm am Parkplatz Bauernregelweg an der Köpferkehre oder bei der Jausenstation Habersatt. Für die richtigen Sportskanonen empfiehlt sich als Startpunkt die Touristen-Information in Altenmarkt in der Sportplatzstraße. Von dort ist es ca. 1 Stunde Gehzeit bis zur Köpferkehre. Insgesamt ist der Bauernregelweg 4,9 km lang und kann in 2-2,5 Stunden gemütlich gegangen werden. Der Großteil des Weges liegt im leicht bewaldeten Erholungsraum am Schwemmberg und lädt immer wieder zum Innehalten ein. Zum einen kannst du in regelmäßigen Abständen die interessanten, teilweise lustigen Bauernregeln lesen und viel Wissenswertes über die Vorfahren aus Altenmarkt-Zauchensee erfahren. Zum anderen gibt es immer mal wieder Wanderbänke zum Rasten. Sogar eine gemütliche, aus Holz geformte und geschwungene Liege auf einer Lichtung, von derer du einen wunderschönen Blick auf den Lackenkogel erspähst, lädt zum Verweilen ein. Die meiste Zeit bin ich im Schatten der Bäume unterwegs, lausche dem Vogelgezwitscher und genieße die angenehme Stille in der Natur. Der Weg ist gesäumt von Schwarzbeeren, die zwar noch nicht essreif aber dennoch ein Augenschmaus sind. An der ein oder anderen Stelle offenbart sich ein sonniges Fleckchen, welches Raum für ein grünes Meer aus Gräsern und Farnen bietet. Direkt beim kühlen Bach, der vom Berg herab dahinplätschert und bei dem ich mich zwischendurch erfrische, entdecke ich sogar noch ein winzig kleines Häufchen Schnee. Das versteckt sich ganz schön gut unter den großen Blättern der niedrigeren Pflanzen und behauptet sich hartnäckig gegen die Hitze im Juni bei Temperaturen um die 30 Grad. Ich freue mich wie ein kleines Kind und bin erstaunt, wie faszinierend unsere heimische Natur doch ist, wenn man mit offenen Augen durch den Wald spaziert. Nach so vielen unverhofften „Sehenswürdigkeiten“ und mit viel Wissen rund ums Thema Bauernregeln im Gepäck habe ich mir die Pause auf der Reitlehenalm redlich verdient (Ruhetag im Sommer: Montag). Meine frischen Kaspressknödel mit Salat und Sauerrahm-Dip schmecken richtig lecker. Der Kaiserschmarrn vom Nachbartisch schaut ebenfalls himmlisch gut aus. Apropos Himmel: Der ist heute wolkenfrei und so genieße ich ein phänomenales Bergpanorama auf die Hohen Tauern. Ob ́s dazu eine passende Bauernregel gibt? 😉 Um mich herum spielen die almeigenen Katzen auf der großzügigen Terrasse miteinander und es gibt sogar eine echt coole Panorama-Lounge. Für Kinder ist ein Spielplatz mit Schaukeln und Sandkasten vorhanden.

Wetterregeln und Lostage des Bauernregelweges

Insgesamt hat der Bauernregelweg von Altenmarkt 22 Stationen, die sich in 10 Wetterregeln und 12 Lostage aufteilen. Bei den Wetter-Regeln geht es um mittelfristige Vorhersagen, die an Wind, Donner, Blitz und Weissagungen aus der Tier- und Pflanzenwelt geknüpft sind. Eine Regel ist zum Beispiel: „Kommt Wind vor Regen, ist wenig dran gelegen. Kommt aber Regen vor Wind, zieht man die Segel geschwind.“ Auch moderne Bauernregeln, die dich zum Schmunzeln bringen, findest du unter den 10 Wetterregeln. Die Lostage beziehen sich auf das Wetter an bestimmten Tagen des Jahres. Nach volkstümlicher Überlieferung soll dies einen Hinweis auf die zukünftige Witterung geben. So sagte man früher: „Scheint zu Lichtmess die Sonne heiß, gibt ́s noch sehr viel Schnee und Eis.“ Auch die Eisheiligen fallen unter die Lostage. Generell gibt es für sämtliche Tage des Jahres – sei es nun an kirchlichen Feiertagen oder Namenstagen der Heiligen – solche Regeln. Auf dem Altenmarkter Bauernregelweg findest du 12 ausgewählte Lostage, die es zu entdecken gilt. Ob du nun daran glaubst oder nicht: In jedem Fall ist der Bauernregelweg eine super Sache, die mit viel Liebe zum Detail auf die Beine gestellt wurde. Ich finde den Themenrundweg ideal für Familien mit Kindern. Zwar sind die Wege nicht geeignet für Kinderwägen oder gar barrierefrei, allerdings sind sie gut beschildert und ideal für einen gemeinsamen Waldspaziergang. Festes Schuhwerk ist, wie bei allen anderen Wanderungen auch, zu empfehlen. Übrigens: Der Bauernregelweg eignet sich auch bestens für eine Schneeschuhwanderung im Winter.


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Impressionen aus Altenmarkt-Zauchensee

© Altenmarkt-Zauchensee Tourismus/Matthias Fritzenwallner
© Altenmarkt-Zauchensee Tourismus/Nadia Jabli Photography